Teetied: Kluntje, Sahne, nicht umrühren.
In Ostfriesland wird so viel Tee getrunken wie kaum irgendwo sonst, und er wird auf eine bestimmte Art getrunken. Man muss sie nicht kennen, um hier Urlaub zu machen. Aber wer sie einmal mitgemacht hat, vermisst sie zu Hause.
Erst der Kluntje, dann der Tee
Zuerst kommt ein Kluntje in die Tasse, ein großer Brocken weißer Kandis. Darüber gießt man den heißen, kräftigen Tee, und der Kandis knistert leise, wenn er Risse bekommt. Das Geräusch gehört dazu.
Kanne und Tassen werden vorher mit heißem Wasser angewärmt. Der Tee zieht ein paar Minuten und wird dann durch ein Sieb eingeschenkt.
Dann nimmt man einen Löffel Sahne und lässt sie vorsichtig am Rand der Tasse in den Tee gleiten. Sie sinkt ab und steigt als kleine weiße Wolke wieder auf. Die Ostfriesen nennen sie „Wulkje“, das Wölkchen.
Warum man nicht umrührt
Umgerührt wird nicht. So schmeckt der erste Schluck nach Sahne, der zweite nach dem herben Tee und der letzte nach dem Kandis, der sich langsam auflöst. Wer rührt, bekommt eine gleichmäßig süße Tasse und hat den Sinn der Sache verpasst.
Drei Tassen sind üblich, und der Kluntje reicht oft für alle drei. Wer keine mehr möchte, legt den Löffel in die leere Tasse. Sonst wird nachgeschenkt, ohne zu fragen – das ist keine Aufdringlichkeit, sondern Gastfreundschaft.
Stövchen, Kanne, dünne Tassen
Teetied ist mehrmals am Tag, am verlässlichsten am Nachmittag. Dazu gehört ein Stövchen, auf dem die Kanne über einem Teelicht warm bleibt, und ein Tisch, an dem man sitzen bleibt. Eile passt nicht dazu.
Oft gehört etwas Kleines dazu, ein Stück Kuchen oder ein Keks, aber nie eine ganze Mahlzeit. Die Teetied ist eine Pause, kein Essen.
In jedem unserer Häuser stehen Stövchen und Teekanne im Schrank. Wenn es draußen von der Seite regnet, gibt es an dieser Küste keine bessere Beschäftigung: am Fenster sitzen, nachschenken und zusehen, wie das Wetter über das Vorland zieht.
Tee kaufen
In den Orten der Gegend gibt es Teeläden, in denen die Mischungen in großen Dosen stehen und nach Gewicht abgefüllt werden. Die ostfriesische Mischung ist kräftig und kommt zum größten Teil aus Assam; sie ist für Kluntje und Sahne gemacht und schmeckt ohne beides ungewohnt herb.
Lassen Sie sich eine kleine Menge abwiegen und probieren Sie im Haus, bevor Sie für ein ganzes Jahr einkaufen. Und nehmen Sie eine Tüte Kluntje mit – zu Hause findet man ihn selten in der richtigen Größe.
Wer mehr über die Teekultur wissen will, findet in der Gegend auch Ausstellungen dazu. Fragen Sie uns, wir sagen Ihnen, was gerade geöffnet hat.
